Doppelbödiges Spiel: Agrana und der Zuckerpreis

Der Zuckerhersteller Agrana teilte am 6.9. mit, dass Zucker ab Oktober um 20 % teurer wird.

Dieser geplante Preisanstieg kann nur auf zwei Faktoren zurückgeführt werden. Einerseits auf die Markt- und damit Machtposition von Agrana. Der Zuckermonopolist beherrscht 90 % des österreichischen Markts und kann dabei auf stolze 130 Millionen Euro Gewinn aus den letzten drei Jahren zurückblicken.

Andererseits ist diese Preiserhöhung Folge der Verknappung des Angebots. Johann Marihart, Chef des Zuckerkonzerns, weist dabei auf die Verwendung von Zuckerrohr für die Ethanolproduktion hin. Diese treibe den Preis in die Höhe.

Interessant ist dabei die Doppelrolle von Agrana selbst. Dieser weltweit agierende Konzern, mit besten Kontakten in die österreichische Politik, ist eine treibende Kraft bei der Produktion von Ethanol. Im Agrana Ethanolwerk in Pischelsdorf (NÖ) wird vorwiegend Weizen „verspritet“, aber es ist nahezu unerheblich, welche Lebensmittel für die Produktion von Agrotreibstoffen verwendet werden, weil die Verknappung eines bestimmten Agrarprodukts den Preis anderer Grundnahrungsmittel wie Mais oder Zucker beeinflusst.

Durch die Agrotreibstoffpolitik der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union – die auch maßgeblich von der österreichischen Politik mitgetragen und forciert wird – kam es in den letzten Jahren zu enormen Preisanstiegen auf den weltweiten Zucker-, Mais- und Weizenmärkten.  In der Nahrungsmittelkrise von 2007/2008 und nun mit 2011 erreichten diese historische Höchstwerte. Während ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich einen Preisanstieg von 20 % bei Zucker verkraften kann, hat ein Großteil der Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern mit der Verteuerung der Nahrungsmittel massiv zu kämpfen.

Die Politik ist deshalb sowohl gefordert die fehlgeleitete Agrotreibstoffpolitik zu revidieren als auch sich aus dem Einfluss dieser Konzerne, die Ihre Macht- und Marktposition zur Maximierung des eigenen Profits ausnutzen, zu befreien.

Die Bekämpfung des Hungers ist endlich über den wirtschaftlichen Interessen einzelner Branchen zu stellen.

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