BRUGGER LINKSUNTEN „Feminismus in der heutigen Zeit – eine Abrechnung“

BRUGGER LINKSUNTEN (eine neue, unregelmäßig erscheinende Kolumne auf Movimenta)

Feminismus in der heutigen Zeit – eine Abrechnung

Anlässlich des 100. internationalen Frauentags wird wieder viel über Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen schwadroniert. Die konkreten politischen Forderungen und Belange etwa sind altbekannt, etwa „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ (oder auch: „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“), Haushaltsarbeiten gleichermaßen auf Frau und Mann aufteilen, Frauenquoten in Führungspositionen etc. Altbekannt soll jetzt nicht heißen, dass sie schlecht wären, aber sie sind großteils viel zu harmlos und mit dem eigentlich kritisierten patriarchalen kapitalistischen System ganz gut vereinbar. Ein Beispiel: Quotenregelungen sind im Prinzip sinnlos und einseitig, denn sie zielen ausschließlich auf privilegierte Positionen ab, von denen der größte Teil der Menschen sowieso ausgeschlossen bleibt. Klassen- bzw. schichtbezogene Unterschiede werden in dieser Debatte oft ausgeblendet. Zweitens ist es so, dass Frauen, die in Männerdomänen eindringen wollen, sich den Anforderungen dieser männlichen, hierarchiegerahmten Welt anpassen müssen. Sie „vermännlichen“ in ihrem Auftreten, sonst haben sie keine Chance, außer sie waren immer schon eher männliche Frauen. Natürlich „vermännlichen“ nicht alle gleichermaßen. Aber männliche Eigenschaften sind hilfreich, um sich in der Konkurrenz (und diese wird ja vom System permanent hervorgebracht) durchsetzen zu können. Dazu zählt etwa ein gewisser Egozentrismus, ein dominantes Auftreten, auf jeden Fall nicht jene Eigenschaften, die man einer (fürsorglichen) Frau zuschreibt. Hier geht es um Führungsstärke, um Alpha-Verhalten, nicht um möglichst liebenswerten Umgang mit den Mitmenschen (und wenn dann nur im funktionalen Sinn, dass sie bei ihrer Arbeit motiviert sind und ihre Arbeitskraft besser vernutzen). Schließlich: Es müsste logischerweise umgekehrt auch Quoten für Männer in frauendominierten Bereichen geben, davon habe ich aber noch nie gehört. Was ich damit sagen will: Mit so läppischen Forderungen wie Quotenregelungen kommen wir nicht weiter. Wirkliche Emanzipation sieht anders aus. Ausgedrückt wird in derartigem politischen Minimalismus eigentlich nur die Krise der Politik, das heißt die Krise jener Idee, sich über eine radikal andere Gesellschaft den Kopf zerbrechen zu können.

Ebenfalls spiegelt sich diese Hilflosigkeit im universitär-elitären „Gender Mainstreaming“ wider, das es sich zum Ziel gesetzt hat, mittels Trickle-down die ganze Gesellschaft für Geschlechterfragen zu sensibilisieren. Das Problem ist wiederum nur: Gender Mainstreaming ist Teil eines liberalen Feminismus-Verständnisses und hat somit eines garantiert nicht zum Ziel, nämlich „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen“ (Marx) ist. Mit dem Argument etwa, Sprache schaffe Wirklichkeit (was auch richtig ist, aber die gesellschaftlichen Strukturen nicht berücksichtigt) wird mit Nachdruck an der Veränderung der deutschen Sprache gearbeitet; jegliche personale Form muss gegendert werden, generische Maskulina darf es nicht mehr geben. Diese extreme Konzentration auf gegenderte Begriffe (als ob es nichts Wichtigeres mehr gäbe) wird dann von vielen Leuten durch den Kakao gezogen, nicht nur von der reaktionären Semifaschistin Barbara Rosenkranz (Buchtitel „MenschInnen“). Ich habe einmal eine Facebook-Nachricht als Massenaussendung in einer Gruppe zugesandt bekommen, in der ich das Wort „MitgliederInnen“ (sic!) vorfand. Mit dem Unterschied, dass dieses hier im Gegensatz zu Rosenkranz’ „MenschInnen“ ernst gemeint war. Die Schreiberin verteidigte auf meine Nachfrage die Verwendung dieses Begriffs. Maximal ein Schlampigkeitsfehler.

Nachdem es mir in diesem Artikel aber eigentlich nicht um die Kritik dieses Sprachfeminismus geht, möchte ich noch auf eine andere Eigenart des modernen Mainstream-Feminismus hinweisen: Dieser postmoderne Feminismus spielt nämlich gern Frauen gegen Männer aus und reproduziert damit mit Nachdruck überhaupt erst die dichotome Geschlechterordnung (Heteronormativität), die zumindest die dekonstruierenden Strömungen des Feminismus aufheben wollen. Aber das wichtigste: Er sorgt nachhaltig für die Perpetuierung der herrschenden Machtverhältnisse. Die Frage nach Gleichberechtigung wird zu einem Nullsummenspiel erklärt, wobei für jede Verbesserung der Lage der „guten“ Frauen den „bösen“ Männern etwas weggenommen werden muss. Wiederum ein Beispiel hierfür: Eine Studiendekanin auf der Universität meinte einmal zu mir in einem kurzen persönlichen Gespräch nach einer Vorlesung, es sei schon okay, wenn einmal nur weibliche Formen verwendet werden, lang genug sei es ja umgekehrt gewesen. Dass viele engagierte Feministinnen in Wirklichkeit ein Problem mit Männern haben, egal woraus die Frustration erwächst, muss denke ich nicht betont werden. Das kann es jedoch nicht sein. Daher habe ich auch so meine Probleme mit dem Begriff „Feminismus“ an sich, so sehr ich dessen kämpferische Traditionen gut heiße. Die Perspektive der Abschaffung seiner selbst ist in ihm noch nicht enthalten. Diese Perspektive muss eine ganzheitliche sein, das heißt, die heutigen Geschlechterfragen stellen sich dann gar nicht mehr, weil sie kein reales Problem mehr als Grundlage haben.

Frauen und Männer müssen auf gleicher Höhe stehen. Auch wenn wir nicht alle gleich sind, es Geschlechterunterschiede, sowohl intra- als auch intergeschlechtliche Unterschiede gibt, sollen wir alle gleichermaßen an der Gestaltung unserer Gesellschaft teilhaben. Das geht in einem patriarchalen kapitalistischen System nicht. Dass es möglich sei, ist die krautfalsche Illusion jeglicher liberaler FeministInnen, die auch von vielen Linken übernommen wurden, weil sie keine Perspektive des „ganz anderen“ mehr haben. Das ganz andere kann aber erst möglich werden, wenn wir eine radikale Kritik der gesellschaftlichen Produktions-, Verteilungs- und Lebensverhältnisse (inkl. Privat- und öffentlicher Sphäre bzw. Staat) entwickeln und die marktvermittelte Erwerbsarbeit, die unser Leben in Geiselhaft genommen hat, in Frage stellen. Nicht die gleiche Beteiligung von Frauen an Erwerbsarbeit, somit eine vergrößerte industrielle Reservearmee, höheren Lohndruck durch verstärkte Konkurrenz, kann das Ziel sein, sondern die Zurückdrängung und letztlich Abschaffung der Erwerbsarbeit. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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One thought on “BRUGGER LINKSUNTEN „Feminismus in der heutigen Zeit – eine Abrechnung“

  1. Wer dieses Interview gesehen hat, versteht den Feminismus-Wahnsinn:

    http://www.alpenparlament.tv/playlist/365-gender-mainstreaming-instrument-von-macht-und-zerstoerung

    Hintergrundrauschen:

    GM ist ein Konzept der Sozialisten/Kommunisten aus der Fabian Society (Huxley und Orwell waren dabei…) mit dem Ziel die Menschen zu geschlechts-, gefühls- und identitätslosen Robotern umzubauen. Das geht nur, wenn man das Sozialleben zerstört.

    Den Aufschwung der Pille hat Mr. Rockefeller dazu genutzt den Feminismus zu erfinden (Film „We want Sex“ Hallo?!) um die Frau endlich aus dem Nest zu jagen und ins Arbeitssystem einzugliedern, während unsere Kinder – dank der „freiheitsliebenden“ (wie zynisch) Mütter – jetzt in Kinderheimen professionell verwahrlost und verroht werden.

    „HALBE-HALBE“ heißt: für jeden nur mehr die Hälfte.

    Mütter, bitte bleibt bei euren Kindern, sie brauchen euch, wir brauchen euch, wir lieben euch dafür!
    Das letzte was wir brauchen sind, touche Tussies in SportAudis und Chefs im Minirock.

    Was wir wirklcih brauchen, ist eine intakte Familie.

    Wenn die Männer wieder gerne nach Hause kommen, werden Sie auch wieder von ihrem Egotrip runter kommen.

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