Bundesheerreform, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Einerseits strotzen Politiker immer wieder vor Einfallsreichtum, wenn es darum geht, Entscheidungen zu Gunsten von Lobby und Klientel zu rechtfertigen. Andererseits legen sie oft eine rekordverdächtige Fantasielosigkeit an den Tag, wenn Lösungsvorschläge gefordert wären.

An der kontroversen Debatte rund um die Bundesheerreform stört mich diesbezüglich vor allem, dass der für viele Einrichtungen unverzichtbare Zivildienst großteils als ein von der Wehrpflicht unlösbares Anhängsel betrachtet wird. Dabei muss es doch möglich sein, parallel zum Freiwilligenheer in einer etwaigen Volksbefragung auch ein weiterhin verpflichtendes soziales Semester mit Verlängerungsoption für alle anzubieten.

Damit ließe sich endlich eine Version ohne geschlechterspezifische Ungerechtheiten realisieren. Das verfügbare Potential würde sich einerseits also um den Frauenanteil erhöhen, andererseits aber auch durch die logische Reduzierung an Untauglichen.

Junge Menschen hätten nach Schule und Lehre verordnete Zeit um nachhaltigere Entscheidungen über ihre Zukunft in einem förderlicheren Umfeld zu treffen, als es Rekruten beim Bundesheer vorfinden würden. Weit mehr als bisher könnten Bürger und Bürgerinnen unabhängig von sozialem oder nationalem Hintergrund vermischt werden, was neben einer Stärkung von sozialem Bewusstein und Gefüge vielleicht auch eine zivilcouragiertere Gesellschaft zu Folge hätte.

Aber natürlich gibts es da auch einiges, das gegen einen solchen Vorstoß spricht. Da wäre zum Beispiel juristischer Pragmatismus, etwa in Form des allzugerne durchgeführten Zitierens irgendwelcher hinderlicher rechtlicher Rahmenbedingungen, die uns aus früheren Zeiten vererbt wurden. Komplett frontunabhängig könnte es natürlich auch an verrosteten Ideologien scheitern, egal ob an irrationalem Patriotismus oder utopischer Pflichtaversität. Vielleicht aber diskreditiert man den Vorschlag auch einfach durch halbherzige Umsetzungsansätze, beispielsweise in dem man die Notwendigkeit gerechter und existenzsichernder Entlohnung als unüberwindbare finanzielle Hürde nennt.

Ein wirklich befriedigendes Argument gegen einen nachhaltigeren Reformvorschlag als die zum Teil bisher medial diskutierten Kompromisse gibt es meines Erachtens nicht. Scheitern könnte eine Politik also wieder nur an sich selbst.

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