Transparenz, zwischen Neid und Gerechtigkeit

Wir leben im 21.Jahrhundert und der Einsatz für Gleichberechtigung ist nach wie vor strafbar. Als nichts anderes betrachte ich die Wirkung eines Gesetzes, das der Verbreitung geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselter Lohninfos mit einer Verwaltungsstrafe droht.

Es sieht doch ganz danach aus, als wolle man den Gender Pay Gap gar nicht so schnell aus der Welt schaffen. Kann schon sein, dass mit gerechter Entlohnung die Wettbewerbsfähigkeit schwerer fällt, insbesondere wenn man weiterhin dieselben Gewinne erzielen will, die der globale Sklavenhandel so zu bieten hat. Aber dieses Problem ist wohl nicht nur auf den Vergleich zwischen den Geschlechtern beschränkt.

Spezifisch auf das neue Gleichbehandlungsgesetz bezogen war jedoch eine Meldung aus der Wirtschaftskammer, die sogar einen noch höheren Strafrahmen als wünschenswert betrachte, um aus Veröffentlichungen resultierenden Neiddebatten entgegen zu wirken.

Eine solche Wortwahl erachte ich in diesem Zusammenhang aber als höchst unpassend, denn unter Neid verstehe ich vor allem eine ungerechtfertigte und unehrenhafte Gefühlsregung. Das Aufzeigen besagter Unterschiede und die Forderung einer Abschaffung kann damit nicht gleichgesetzt werden.

Dieses neidische Argument, welches meiner Ansicht nach gar keines ist, zieht sich jedoch bereits durch die meisten Diskussionen, die sich mit mehr Transparenz in Sachen Einkommen und Vermögen befassen. Beispielhafte Privatpersonen, die sich ansatzweise einer entsprechenden Durchleuchtung und Erfassung stellen müssen, sind BezieherInnen von Sozialtransfers, angeregt durch eben jene, die sich in vorhin dargelegten Belangen dagegen verwehren.

In Wahrheit will man uns nicht vor unseren menschlichen Abgründen in Form einer der sieben Todsünden schützen. Viel mehr will die Oberschicht ihr Hab und Gut vor den Ansprüchen ausgebeuteter Opfer versichern. Schließlich war es eine unangenehme Zeit für die Gesellschaften der Königs- und Adelsfamilien, als das dumme Volk begann, sich gegen die Unterdrückung zu wehren. Kein Wunder, dass die heutigen Eliten eben gut und gerne auf dergleichen verzichten würden.

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One thought on “Transparenz, zwischen Neid und Gerechtigkeit

  1. nichts hinzuzufügen …

    außer: transparenz auch für parteien, betriebe, (gößere) landwirtschaften, subventionsempfängerInnen …

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