Kapitaleinkommen und Vermögen, eine andere Perspektive

Eine liberale Wohlfahrtsfunktion unterstellt dem Markt die Fähigkeit, jene zu belohnen, die am härtesten arbeiten und bezeichnet ein solches Ergebnis als gerecht. Diese Definition und deren Korrektheit an dieser Stelle einfach als gegeben angenommen, welches Urteil generiert eine ihr folgende Perspektive für Kapitaleinkommen?

Es lässt sich argumentieren, dass Kapital ursprünglich aus Arbeitseinkommen akkumuliert wird, also quasi aus körperlichen und geistigen Anstrengungen der Vergangenheit resultiert. Bei Kapital im Sinne von gewinnbringend produzierendem oder angelegtem Vermögen muss allerdings berücksichtigt werden, dass der Bestand an Kapital auch aus Kapitaleinkommen wächst. Dies so akzeptierend würde bedeuten, dass die Verbindung und Relation zur einst notwendigen Arbeit mit der Zeit immer stärker verwischt.

Spätestens nach der Einbeziehung der Generationenfrage lässt sich also folgern, dass der Besitz von Kapital nicht notwendigerweise einem fähigem und hart arbeitendem Individuum zu Grunde liegt und so definitiv nicht als eine Leistung zählt, die der Markt als normativer Richter honorieren würde.

Zum Vorhaben, den Einsatz der Fähigkeit harte Arbeit zu verrichten zu belohnen, kommt noch hinzu, dass es natürlich auch in unserem Sinne ist, die produktivsten Mitglieder unserer Gesellschaft langfristig anzuhalten, weiterhin ihre so wertvolle Leistung zu erbringen. Auch wenn das eine aus dem anderen folgt und insbesondere letzteres durch Alter und Ähnliches an Grenzen stoßen sollte, wollen wir also auch für jene den Anreiz zum Müßigang reduzieren.

Es scheint also, als ob selbst das Gerechtigkeitsempfinden des marktorientierten Ansatzes die Belastung von Kapitaleinkommen oder gar Vermögen zu Gunsten des Arbeitseinkommens anstreben würde.

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2 thoughts on “Kapitaleinkommen und Vermögen, eine andere Perspektive

  1. Private Haushalte besitzen in Österreich 440 Milliarden Euro Finanzvermögen.
    Die reichsten zehn Prozent besitzen davon 54 Prozent.
    Die reichsten zehn Prozent besitzen bei Immobilien überhaupt 61 Prozent.

    Die untersten 40 Prozent: gar kein Immobilienbesitz.

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