Blogs, alternativ war gestern

Blogs, für mich in diesem Moment quasi noch nahezu Neuland, waren in meiner Utopie vor allem eine Möglichkeit, zur Weitergabe und Verarbeitung von Information abseits des Marktes und der Institutionalisierung. Versprochen hätte ich mir davon vor allem mehr Spielraum für kritische Zugänge, da sich die Inhalte nicht nach Absatzzahlen zu richten hätten.

Doch wie es mir scheint, ist die Bloglandschaft zu etwas noch undurchsichtigerem verkommen, als uns die herkömmlichen Medien ohnehin schon bieten. Bildung ist Nebensache und der Abbau der Konsumentensouveränität erledigt sich in einer Art Teufelskreis von selbst.

Während individuelle Entfaltung Hauptzweck zu sein scheint, oder gerade deshalb, werden die Rollen von etwa RTL und ATV im Fernsehen oder einer BILD und KRONEN ZEITUNG unter den Printmedien in der Bloggersphäre von zig Einzelpersonen übernommen, welche sich sinnbildlich Brot und Spielen verschreiben. Diese Überflutung mit leichter und seichter Lektüre zu zweitrangigen Belangen ist es, die wirklich bildenden Initiativen die Schau stiehlt und so für mich die einst alternative Form des Informationswesens dem Mainstream opfert.

Doch selbst unter jenen, die mit mehr Idealen an die Sache heran gehen, scheint das Problem des übertriebenen Individualismus durchzuschlagen. Subjektives Urteil über allgemeines Interesse und eigene Fertigkeiten scheinen nämlich um ein vielfaches mehr zum Bloggen zu verleiten, als es ansonsten in den Journalismus locken würde.

Als Problem bezeichne ich es deshalb, weil ein solches Überangebot in diesem Fall zwar keinen Preis, aber durchaus den geschätzten Wert schmälern könnte. Dies wiederum könnte eine Art adverse Selektion hervorrufen und Blogger mit Potential, aber ohne Reputation aus anderen Medien, aufgrund des geringen Wirkungsgrads per Frustration aus der Sphäre vertreiben.

Mir persönlich fehlt schon die Zeit, alle mich tangierenden Artikel der Tageszeitung zu lesen, weshalb ich mit Blogs und verwandten Instrumenten ohnehin kaum in Berührung gekommen bin. Aus diesem Gedanken heraus stellt sich natürlich selbstkritisch die Frage, weshalb plötzlich andere Leute Zeit und Lust finden sollten, meine Beiträge zu lesen.

Der Kompromiss ist derselbe, den ich in mehreren Belangen verfolge, Kooperation statt Konkurrenz. Statt individualistisch einen ganzen Blog für mich als Möchtegerngenie zu beanspruchen, stelle ich meine Wortspenden einem kleinen Kollektiv zur Verfügung, das sich ihnen mit harter Kritik auch schnell wieder entledigen kann. So ist diese Alternative auch mir einen Versuch wert.

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